DAS STÜCK

VERGISSMEINNICHT ist ein theatrales Spiegelkabinett, überraschend, schräg, beängstigend, aber auch komisch und schrill, in dem die verschiedenen Aspekte einer dementiell veränderten Persönlichkeit zum Tragen kommen.

Manchmal in plötzlichen Brechungen, manchmal in schleichenden Übergängen nehmen die Figuren unterschiedliche Perspektiven ein, gehen sogar ineinander über, kümmern sich wenig um Chronologie, sondern springen immer wieder von Vergangenheit zu Gegenwart und zurück.

So entstehen irritierende, absurd-komische Begegnungen eines Mannes mit Ärzten, Pflegern, anderen Angehörigen und nicht zuletzt mit der Frau, die wie seine Mutter aussieht, jedoch ein ganz anderer Mensch zu sein scheint.

DIE VORGESCHICHTE

Am Anfang war "Erinnern-Vergessen: Kunststücke Demenz"

 

Unter dem Titel „Erinnern-Vergessen: Kunststücke Demenz“ ist im Jahre 2005 eine Kampagne am Schlosstheater Moers durchgeführt worden.

Ziel der Kampagne war zunächst, einem Tabuthema mit künstlerischen Mitteln zu mehr Öffentlichkeit zu verhelfen: schließlich leben allein in Deutschland 1,2 Millionen Menschen mit Demenz. Darüber hinaus ging es darum, das Bild vom dementen Menschen als einem mit Defiziten behafteten und ausschließlich hilfsbedürftigen Menschen in Zweifel zu ziehen und andere mögliche Sichtweisen theatral zu untersuchen. Zudem war es Anliegen der Kampagne, die Themen einer anderen gesellschaftlichen Solidarität zu diskutieren.

Eine derart umfassende künstlerische Auseinandersetzung über diesen Bereich hatte es bis dahin nie gegeben. Dementsprechend überwältigend war die lokale, regionale und nationale Resonanz auf dieses Großprojekt.

 

Das Theaterprojekt "Ich muss gucken, ob ich da bin"

 

Besondere Beachtung fand immer wieder das Theaterprojekt "Ich muss gucken, ob ich da bin", das Barbara Wachendorff mit drei Schauspielern und sieben dementen Darstellern realisierte. (Geht das denn? Theater mit dementen Menschen zu spielen? Ja, das geht!!) Für diese Arbeit wurde sie für den Deutschen Theaterpreis "Faust" nominiert.

In dieser Inszenierung kam es erstmals zu einer Zusammenarbeit der Regisseurin Barbara Wachendorff, des Schauspieler Roland Silbernagl und des Dramaturgen Joachim Henn an diesem Thema.

Auch der Bühnenbildner Christoph Rasche und der Komponist  Jens Daniel Peter waren bereits bei der Kampagne 2005 Mitgestalter des Projektes.

Seitdem haben die fünf immer wieder nach Möglichkeiten gesucht, sich erneut künstlerisch mit Demenz befassen zu können. Das Recherche- und Interviewmaterial, das im Vorfeld zu "Ich muss gucken, ob ich da bin" und den anderen Stücken der Kampagne zusammen getragen werden konnte, war so umfangreich und wertvoll, dass es einfach zu schade zum Archivieren in Aktenordnern war. Außerdem waren die drei mit dem Thema längst nicht "durch".

 

VERGISSMEINNICHT - eine neue "Pflanze" wird ausgesät

 

Ziel der erneuten künstlerischen Auseinandersetzung ist es, eine möglichst mobile Theaterproduktion auf die Beine zu stellen, die auf Gastspielen gezeigt werden kann, um dem Thema noch größere Verbreitung zu ermöglichen.

Zudem sollte dieses Mal nicht mit dementen Darstellern gearbeitet werden, da ihnen der Gastspielbetrieb nicht zumutbar ist.

Da viele der Betroffenen, mit denen Interviews geführt wurden und auch die Mitwirkenden am Theaterprojekt "Ich muss gucken, ob ich da bin" häufig eine sehr assoziationsreiche, bildkräftige Sprache benutzten, war schnell klar, dass in dem neuen Projekt diesem Bereich wieder eine besondere Bedeutung zukommen sollte. Was auf den ersten Blick als widersprüchlich erscheinen mag, erwies sich bei näherer Betrachtung als geeignetes künstlerisches Mittel zur theatralen Umsetzung dieser Aspekte, nämlich zum Transport einer bildkräftigen Sprache auch eine wortlose Kunst zu wählen: den Tanz. Als vierte kam damit die Tänzerin Annabel Céline Cuny mit ins Boot.

Und los gings mit den Proben zu "VERGISSMEINNICHT".